Ja klar, nur eben nicht im Bereich der StVO, es sei denn, das Interface besitzt eine E-Zulassung.

Ein Elektorleser stellte folgende Anfrage:
Rechtslage CAN im Fahrzeug
Mittlerweile gab es ja schon viele Artikel zum Thema CAN-Bus. Da ist es doch naheliegend, mit einer selbstentwickelten Schaltung auf den CAN-Bus des eigenen Autos zuzugreifen. Dann könnte man versuchen von dort Daten wie zum Beispiel die Geschwindigkeit auszulesen oder den CAN-Bus als Übertragungsmedium für eigene Schaltungen nutzen. Ich fände einen Artikel zur rechtlichen Lage sehr interessant. Ist es erlaubt auf den CAN eines Automobils zu zugreifen? Oder führt es automatisch zum Erlöschen der Betriebserlaubnis oder ist sogar strafbar? Und wie gefährlich ist so etwas - was könnte schlimmstenfalls geschehen, wenn eine eigene Schaltung am Fahrzeug-CAN Amok läuft?
Man muss zuerst einmal unterscheiden CAN-Bus Diagnose oder CAN-Bus-System im Fahrzeug, worüber die Kommunikation der internen Steuergeräte und Sensoren läuft. Normalerweise sollte der CAN-Bus, der an der Diagnosebuchse (OBD2) anliegt vom "heißen" CAN-Bus abgekoppelt sein. Die OBD2 Diagnoseschnittstelle ist dann also ein "kalter" CAN-Zugang, außerdem streng genormt und somit auch ohne Probleme anzapfbar. Soweit die Theorie. In der Praxis ist das wohl nicht ganz so umgesetzt. Es gibt durchaus Pkws, die den "heißen" CAN auf der OBD2-Buchse anliegen haben. Hier mit einem Diagnoseinterface während der Fahrt einen Connect durchzuführen, möglicherweise sogar noch im bequemen Automatik-Modus, ist hochgradig gefährlich, weil ein Diagnoseinterface ja erst mal von außen neu hinzukommt und die internen Übertragungsraten abtasten bzw. scannen muß. In dieser Situation kann es natürlich zu Störungen am Fahrzeug kommen. Das ist sicher eine Ausnahmesituation - recht selten anzutreffen.Zweitens gibt es verschiedene Ansätze von Zugangsarten mittels Diagnoseinterface. OBD2 und Can-Low-Level, bekannt als CAN-Open oder Lawicel. Ersteres ist bereits oben angesprochen worden, letzteres ist wieder eine Variante auf den "heißen" CAN-Bus zuzugreifen. Das wird von Entwicklungsingenieuren auch rege genutzt um den Datenfluß im System zu protokollieren, ggf. auf Steuergeräte bzw. Stellglieder Einfluß auszuüben. Ein Fahrzeug was am öffentlichen Straßenverkehr teilnimmt unterliegt behördlichen Auflagen. Unter anderem existiert eine sogenannte E-Zulassung, die alle an das Kfz-Bordnetz angeschlossenen Geräte einem strengen Genehmigungsverfahren unterwirft und unterzieht.
Hersteller von Diagnoseinterface haben nun gleich mehrere Probleme:
1. Fahrzeughersteller bzw. einzelne Typen, die sich nicht 100% an Vorgaben halten
2. E-Zulassungsverfahren kosten ordentlich Geld und sind nur für das jeweilige Interface gültig. Technischer Fortschritt ist aber an der Tagesordnung. D.h. Interface mit E-Zulassung dürften sich erheblich gegenüber unzugelassenen Diagnosegeräten verteuern, wenn diese immer neu geprüft werden. Faktor 2-5 ist vorstellbar. Daher verzichten die Hersteller von low-cost-Diagnosegeräten gern auf diese Prüfung um ihre Produkte konkurrenzfähig zu halten.

CAN-Interface sollten deshalb nur am Diagnoseport betrieben werden.
Im Bereich der StVO sind nur Diagnoseeinrichtungen erlaubt, die auch über eine E-Zulassung verfügen.
Selbst zugelassene Interface dürfen und sollten nicht betrieben werden, wenn das Fahrzeug sich offenkundig inkompatibel verhält. Laut Vorschrift ist es im Problemfalle sofort von Bordnetz zu trennen.
Fazit:
Derjenige, der Diagnoseinterface einsetzt, sollte sich der Tragweite seines Informationsdranges deutlich bewußt sein. Außerhalb des Prüfstandes bzw. auf öffentlichen Straßen ist die oberste Priorität die Sicherheit im Straßenverkehr zu gewährleisten, sei es die anderer Verkehrsteilnehmer oder die eigene. Der Fahrzeugführer ist hier verantwortlich. Das bedeutet strenggenommen, Diagnoseinterface sind auf der Straße tabu.
Zum letzten Punkt der Leser-Anfrage:
Was denn im schlimmsten Falle geschehen könne, wenn ein CAn-Interface Amok läuft (also marodierend defekt ist).
Das mag man in seiner Phantasie abarbeiten...
Vor Betätigung des Diagnoseinterfaces - Verstand einschalten! Test's macht der Beifahrer und das nur auf Strecken, die nicht dem Geltungsbereich der StVO unterliegen.